Hochmeister Alpin
Hochmeister Alpin

Lhotseflanke und South Col

Nach einigen Rasttagen im Basislager führte uns die nächste
ca. einwöchige Akklimatisationsrunde bis in Lager 3 auf 7.400 m. Diesmal starteten wir bereits um 1 Uhr nachts und stiegen direkt ins Lager 2 auf.

 

Die Route durch den Eisbruch war gegenüber dem ersten Mal bereits etwas verändert, da in der Zwischenzeit einige Eistürme eingestürzt waren. Wieder versuchten wir, so schnell wie möglich durch den Eisbruch zu kommen, den wir schließlich knapp nach Sonnenaufgang hinter uns ließen. Lager 2 ist dann schon einige Stunden vorher sichtbar; es erscheint daher dann nahezu endlos, bis wir nach fast neun Stunden in der zuletzt prallen Sonne erschöpft dort eintreffen und uns endlich ins Zelt fallen lassen können.
 

Wir verbringen nun einige Tage und Nächte in Lager 2, um unsere Höhenanpassung weiter zu verbessern. Dann geht es schließlich erstmals in einem unheimlich anstrengenden Anstieg über die steile und eisige Lhotsewand bis ins Lager 3 auf ca. 7.400 m. Nach zwei weiteren Nächten im Lager 2 war schließlich die Akklimatisationsphase abgeschlossen und wir stiegen wieder, nun bereits zum vierten Mal durch den Eisbruch, ins Basislager ab.

 

Dann begann dort das Warten auf ein geeignetes Wetterfenster,
das eine Gipfelbesteigung erlaubt. Bei Temperaturen von minus 30 bis 40 Grad ist eine Abschwächung des Windes im Gipfelbereich auf maximal 50 bis 60 km/h eine unbedingte Voraussetzung für den Gipfelgang, um diesen ohne schwerwiegende Erfrierungen überstehen zu können. Selbst in guten Jahren gibt es daher nur einige wenige Tage im Jahr, an denen es die Kälte und der in der Gipfelregion
herrschende Wind erlauben, auf den Gipfel zu steigen (meist in der zweiten Maihälfte).

 

Die Wartezeit auf das Gipfelfenster entwickelte sich also zu einer echten Geduldsprobe. Fragen, wie: „Wird die vorhergesagte Abschwächung der Windgeschwindigkeit auch tatsächlich eintreten?“, „Werden wir auch absolut gesund bleiben trotz der Kälte (auch im Basislager hat es in der Nacht minus 15 Grad)?“, „Werden wir auch nach sieben Wochen in großer Höhe und nach ca. 10 % Gewichtsverlust noch genügend Kraftreserven für den anstrengenden Gipfelgang haben?“ gehen einem ständig durch den Kopf und sorgen für höchste Anspannung selbst während der Ruhephasen.

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© Lukas und Josef Hochmeister