Hochmeister Alpin
Hochmeister Alpin

Besteigung Baruntse, 7220 m

Am Tag nach unserer erfolgreichen Gipfelbesteigung marschierten wir kurz vor 9 Uhr los. Der Weg führte uns zumeist am Fluss entlang das Hunku Valley talaufwärts. Um halb 3 erreichen wir das Camp, den Nachmittag verbringen wir im Esszelt. Wir sind beide noch sehr müde von den Strapazen des Vortages.

Am nächsten Tag verließen wir um 8 das Lager und nahmen die letzten Höhenmeter bis ins Basislager in Angriff. Nach 3h Marsch bei schlechter Sicht und Schneerieseln erreichen wir das Lager, welches direkt am Rande eines Gletschersees liegt. Am Nachmittag rasten wir und spielen Karten. Jeder hat nun sein eigenes Zelt.

Endlich! Unser erster Ruhetag seit Beginn der Expedition ist gekommen. Beim Frühstück werden mögliche Strategien für die Gipfelbesteigung besprochen, noch bleibt aber alles offen. Am Nachmittag gehen wir mit Darius ein bisschen spazieren, sonst verbringen wir den Tag im Zelt und ruhen uns aus. Am Nachmittag ergattern wir einen ersten Blick auf den Gipfel des Baruntse, ansonsten ist es wolkenverhangen.

Am 19. September hatten wir unsere Puja-Zeremonie, bei der wir die Götter um einen sicheren Auf- & Abstieg baten. Währenddessen klarte es erstmals auf und wir bekamen eine fantastische Sicht der Südwand des Baruntse. Am Nachmittag sortierten wir noch Lebensmittel für die Hochlager und packten unsere Rucksäcke, welche dieses Mal die 20kg-Marke deutlich überstiegen.

 

Um 9 Uhr brachen wir vom Basislager auf, um den langen und mühsamen Aufstieg ins Lager 1 zu bewältigen. Die Rucksäcke waren zum Bersten voll und es erwies sich als äußerst kraftraubend, diese zu transportieren.

Der Weg ins Lager 1 verläuft die ersten 3h über eine Gletschermoräne, bevor man den Fuß des Gletschers erreicht. Dort legten wir unsere Steigeisen und Gurte an und marschierten weiter. Darius ist bereits jetzt mit seinen Kräften am Ende und beschließt umzukehren. Nach einer weiteren Stunde am Gletscher erreichten wir den Beginn des Fixseiles, welches uns in ca. 60° steilem Terrain zum Westcol führte. Diese letzten 150Hm nagten sehr an unseren Kräften, da unsere Rucksäcke schwer und der Schnee sehr locker war und wir deswegen  ständig abrutschten. Gegen 3 Uhr erreichten wir dann das Lager, welches auf einem Gletscherplateau auf der anderen Seite des Westcols liegt. Mein Vater war ziemlich erschöpft und ruhte sich aus während ich Wasser machte und Essen kochte. Gegen 6:30 Uhr gingen wir dann schlafen.

 

Um 10 Uhr brachen wir vom Lager 1 auf, um die 300Hm ins Lager 2 in Angriff zu nehmen. Bei zunächst herrlichem Wetter gingen wir los, jedoch bald brachen Wolken herein und die Sicht wurde sehr schlecht. Ich ging mit Mike voraus, im Nebel warteten wir dann aber auf die anderen Gruppen. Der Aufstieg war nicht sehr anstrengend.

Im Lager angekommen mussten zuerst einmal die Zeltplätze ausgehoben werden, was sich auf dieser Höhe als enorm anstrengend herausstellte. Es herrschte schlechte Sicht und wir verbrachten den Nachmittag mit Wasser kochen und ausruhen. Am Abend beredeten wir abermals unsere Strategie für den Aufstieg, entschieden uns aber dafür, frühestens übermorgen den Gipfelsturm zu wagen.

Am nächsten Morgen herrschte herrliches Wetter und wir hatten eine großartige Sicht auf die umliegenden Berge. Rob ging es sehr schlecht, deswegen stieg er mit einem Sherpa ins BC ab. Die anderen Sherpas stiegen weiter auf und legten Fixseile. Am Abend berichteten sie dass man aufgrund der Schneeverhältnisse den Gipfel unmöglich erreichen konnte. So beschlossen wir am nächsten Tag zumindest den false summit auf ca. 7000m zu erreichen. Wir alle waren sehr enttäuscht.

Am Morgen wurden wir um 1 Uhr munter, aufgrund der schlechten Sicht wurde der Start jedoch verschoben, bevor er um 3 Uhr endgültig abgesagt wurde. Unter Tags herrscht schlechtes Wetter, den Tag verbringen wir im Zelt.

Die nächsten drei Tage verbachten wir im Zelt, wir alle waren schon sehr angespannt und warteten auf das passende Wetterfenster. Zwei Tage lang schneite es und die Sicht war gleich null, sodass wir schon zweifelten, ob wir überhaupt noch Richtung Gipfel aufbrechen würden. Am dritten Tag klarte es auf, der Schneefall klang ab und ein sehr starker Wind begann zu blasen. Am Abend fassten wir den Beschluss, dass wir morgen den Gipfel probieren würden.

 

Um 3 Uhr morgens starteten wir Richtung Gipfel. Beim Weggehen gab es eine große Hektik und wir kamen schon beim Anziehen außer Atem. Noch dazu rannten die Sherpas derartig schnell los, dass ich bereits nach 5min eine Pause einlegen musste, um wieder zu Atem zu kommen. Nach einer längeren Pause zehn Minuten später hatte ich mich immer noch nicht erholt. Ich war bereits deutlich zurückgefallen, schloss jedoch wieder zur Gruppe auf. Da kam mir plötzlich mein Vater entgegen, dem es heute nicht gut ging und deshalb wieder absteigen musste.

100m über dem Lager stießen wir an eine steile Eisklippe, welche anfangs beinahe senkrecht nach oben ragte. Hier musste ich meine warmen Fäustlinge ausziehen, wodurch meine Hände komplett auskühlten und sich im Laufe des Tages auch nicht mehr erwärmten. Nach dieser Klippe ging es auf einem steilen Firnfeld bergauf. Es blies ein eisiger, extrem starker Wind. Nach 4 Stunden machten wir auf ca. 6750m das erste Mal Rast, ich trank ein paar Schluck Tee und versuchte meine Hände wieder aufzutauen, jedoch vergebens.

Danach umgingen wir eine Gletscherspalte, bevor wir in 45min den letzten Steilaufschwung zum false summit (6850m) bewältigten. Dort begann der schmale und sehr exponierte Grat zum Gipfel, wo wir nach einer halben Stunde einen windgeschützten Rastplatz auf 6900m erreichten. Dort überlegte ich umzudrehen, da ich nur mehr sehr wenig Gefühl in meinen Fingern hatte. Nachdem ich diese jedoch 15min in meinen Achselhöhlen gewärmt hatte, und ich zumindest ein leichtes Gribbeln verspürte, entschied ich mich dazu, weiterzugehen, sofern es sich nicht verschlechtern würde.

Der Gipfel ist nun bereits in Sicht. Ab hier wird der Grat nochmals schmäler (50cm), und auch die Schlüsselstelle der Tour liegt noch vor uns. Doch auch den Mushroom, einen kurzen Schneeüberhang, bezwangen wir und standen um dreiviertel 10 am Beginn des Gipfelhanges. Für die letzten 150m musste ich noch einmal alle Kräfte mobilisieren, doch nach weiteren 75min stand ich um Punkt 11 Uhr am Gipfel des Baruntse auf 7220m. Die Sicht ist fantastisch, Lhotse und Everest sowie Ama Dablam in unmittelbarer Nähe. Es ist immer noch eiskalt, mit größter Mühe mache ich einige Fotos, der Erfolg lässt sich nicht genießen, ich will einfach nur so schnell wie möglich wieder runter.

Nach kurzer Pause begann ein mühsamer, kräfteraubender und langwieriger Abstieg am schmalen Grat. Der Tiefschnee kostete auch im Abstieg sehr viel kraft. Auf 6700m wurde es endlich etwas wärmer, meine Finger waren aber nach wie vor ziemlich taub. Kurz nach 3 Uhr erreichte ich dann das Lager. Total erschöpft schaffte ich es gerade noch, einen Liter Wasser zu kochen, bevor ich in meinen Schlafsack kroch. Essen konnte ich nichts mehr. Meine Hände waren noch immer ziemlich taub, aber wenigstens gut durchblutet. Bei gefühlten Temperaturen um -40°C dank extremen Windchills klagten sogar die Sherpas und sprachen von Everest ähnlichen Bedingungen.

Ich war froh, wieder wohlbehalten im Lager zurück zu sein!

 

Am nächsten Tag erwachte ich um halb 6, blieb jedoch noch regungslos bis Viertel 8 im Schlafsack liegen. Danach begann ich mit äußerster Anstrengung meinen schweren Rucksack für den Abstieg zu packen. Kurz nach 8 Uhr marschierten wir dann ab. Der Weg ins Lager 1 gestaltete sich aufgrund des Tiefschnees sehr mühsam, wir alle stürzten einige Male und sanken ständig irgendwo ein. Im Lager 1 angekommen machten wir eine kurze Rast, bevor wir die Gegensteigung zum Westcol in Angriff nahmen. Dann folgte ein flottes Abseilen zum Gletscher, wo uns bereits ein zuvor abgestiegener Sherpa erwartete, um uns einen Teil unserer Last abzunehmen.

Nach kurzer Zeit erreichten wir den Gletscherrand (5800m), wo wir von der gesamten Mannschaft begrüßt wurden. Wir bekamen alle Glückwünsche sowie Kekse, Tee und sogar Cola. Ein Hochgenuss!!!

Nach einer ausgedehnten Rast stiegen wir weiter zum Basecamp ab, welches wir um 13 Uhr erreichten. Nach einem herzlichen Wiedersehen mit meinem Vater verbringe ich den Nachmittag im Zelt, beim Abendessen bin ich so erschöpft dass ich fast nichts essen kann. Ich gehe bereits um 6 Uhr zu Bett und schlafe die ganze Nacht durch.

Am nächsten Tag fühlte ich mich deutlich besser. Den Vormittag verbringen wir im Esszelt und ich nehme meine erste Mahlzeit seit 3 Tagen zu mir. Jedoch bekomme ich Husten sowie Bläschen auf der Zunge, die mir die Nahrungsaufnahme in den nächsten 3 Tagen so gut wie unmöglich machten. Am Nachmittag packten wir zusammen, am nächsten Tag begann der Rückmarsch nach Lukla.

 

 

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© Lukas und Josef Hochmeister