Hochmeister Alpin
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Gokyo Ri (5400 m)

Machermo – Gokyo, Gokyo Ri (5400 m)

 

16.10.: Um halb sieben stehe ich bereits auf und gehe zum Frühstück, draußes ist total nebelig. Ich lege mich daher nochmal kurz hin und breche dann um acht auf. Nach einer Stunde treffe ich Jim und Ruby aus England, die ich beim Frühstück kennengelernt habe und wir gehen gemeinsam weiter. Das Wetter ist im Tal etwas besser geworden, die umliegenden Gipfel bekommen wir jedoch nicht zu sehen. Kurz vor elf erreichen wir bereits Gokyo und verbringen dann den Rest des Tages in der Stube der Lodge beim Kartenspielen. Draussen zieht es inzwischen komplett zu und es beginnt heftig zu schneien; wir hoffen, dass wir morgen ein paar Stunden mit klarem Wetter bekommen, damit es sich überhaupt lohnt, auf den Gokyo Ri zu steigen!

 

Am nächsten Morgen sitze ich bereits um 6Uhr30 mit Jim und Ruby beim Frühstück; die Sicht draußen ist gleich Null. Langsam lockert es etwas auf und wir bekommen Ausschnitte der Cho Oyo Südwand sowie kurzzeitig auch den Gipfel des Gokyo Ri zusehen. Kurz nach halb acht brechen wir auf; draußen liegen 5 cm frischer Schnee. Nachdem wir 200 hm aufgestiegen sind, hat es wieder komplett zugezogen und die ersten Trekker beginnen schon umzudrehen und wieder abzusteigen. Wir gehen weiter und erreichen kurz nach halb zehn den Gipfel des Gokyo Ri bei maximal 20 Meter Sicht. Nach einer kurzen Rast steigen wir wieder ab und beschliessen, noch eine Nacht in Gokyo zu bleiben und auf besseres Wetter zu warten. Wir bekommen fast kein Zimmer, da durch die lange Flugunterbrechung viele Trekkinggruppen gleichzeitig in Lukla angekommen sind und nun Gokyo erreicht haben; schlussendlich gibt´s doch noch ein Dreierzimmer. Ab  elf sitzen wir wieder in der Stube, lesen und spielen Karten. Es beginnt wieder stark zu schneien; unglaublich, dass Mitte Oktober nicht anhaltend klares Wetter herrscht. Allzu zuversichtlich bin ich nun nicht mehr, dass wir morgen klares Wetter haben werden.

 

Am nächsten Morgen (18.10.) sitzen wir wieder um 6Uhr30 beim Frühstück; es ist zwar etwas bewölkt, sieht aber doch deutlich besser aus als gestern. Bald bekommen wir Sicht auf die umliegenden Berge und auch Auschnitte des Cho Oyo sind bereits zu sehen. Besonders beeindruckend ist der Blick zum Cholatse, mit Gokyo, dem See und dem gewaltigen Gletscher im Vordergrund. Knapp über 5000 m verschwinden wir wieder im Nebel. Ich treffe die vier Österreicher wieder, die uns berichten, dass der Gipfel knapp über der Wolkendecke liegt. Ich beschleunige meinen Aufstieg und erreiche bereits um halb Neun, nach nur einer Stunde Aufstieg, den Gipfel, der nur ca. 20 Meter über die dichte Wolkendecke hervorragt. Fünf Minuten lang habe ich eine tolle Aussicht, wenngleich Everest und Cho Oyo bereits teilweise vom Nebel verdeckt sind. Als Jim und Ruby ankommen, hat es leider bereits wieder total zugezogen. In dreissig Minuten bin ich wieder in Gokyo und beschliesse aufgrund des sich bessernden Wetters (während der Nacht ist der Luftdruck deutlich angestiegen), noch einen weiteren Tag in Gokyo zu bleiben und morgen bereits um 4Uhr30 zu starten.

Vor dem Mittagessen verabschiede ich mich von Jim und Ruby, die morgen schon in Dingboche erwartet werden. Danach telefoniere ich noch mit meinen Eltern. Am Nachmittag mache ich noch einen Spaziergang, tausche mein Buch und kaufe Snacks für die morgige Etappe über den Cho La. Hin und wieder schneit es leicht, ansonsten ist es draußen sehr angenehm. Ich hoffe, dass ich morgen endlich die erhoffte Aussicht vom Gokyo Ri erleben werde.

 

Am Abend hat es dann noch komplett aufgerissen; die Wetterbesserung ist endlich eingetreten. Schon im Dunkeln steige ich noch auf den nächsten Hügel und geniesse das Panorama. Die Vorfreude auf den nächsten Tag ist riesig, das Ausharren in Gokyo hat sich doch bezahlt gemacht.

 

Am nächsten Morgen (9.10.) stehe ich um fünf auf und marschiere sofort, ohne zu frühstücken, los. Bei der Überquerung des Flusses bekomme ich bereits perfekte Sicht auf den Cho Oyo, exakt wie auf dem Poster, das zuhause in meinem Zimmer hängt; für ein Foto ist es aber leider noch zu dunkel. Um 5Uhr30 beginne ich mit dem Aufstieg; da es noch relativ dunkel und sehr kalt gehe ich  sehr zügig. Ich kann mein Glück gar nicht fassen; keine Wolke am Himmel! Langsam kommen die umliegenden Gipfel zum Vorschein; ca. hundert Meter unterhalb des Gipfels erreichen mich dann die ersten Sonnenstrahlen. Um 6Uhr40 bin ich dann am höchsten Punkt. Das Panorama ist überwältigend: Everest und Cho Oyo sind vollkommen frei von Wolken; ein Panorama wie aus dem Bilderbuch! Ich verbringe zwei Stunden in Gipfelnähe und steige dann gemütlich nach Gokyo ab.

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© Lukas und Josef Hochmeister