Hochmeister Alpin
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Ama Dablam Expedition, Oktober/November 2010

Zum vereinbarten Zeitpunkt erreiche ich nach meiner Khumbu Tour Pangboche und treffe das Adventure Consultants Team für die Ama
Dablam in der Sonan Lodge in Pangpoche. Ich komme am 21.10. um 16 Uhr dort an und lerne gleich das Team kennen; eine sehr ruhige Truppe wie es scheint. Unter den Sherpas sehe ich viele bekannte Gesichter, die uns schon am Baruntse und am Cho Oyo begleitet haben. Alle essen ihr Abendessen im Zimmer, aus Angst sichbei anderen Gästen anzustecken – sowas habe ich noch nie gesehen. Ich beschließe, da ich ja bestens akklimatisiert 
bin, morgen einen Rasttag einzulegen.

22.10. Rasttag in Pangboche: um 7Uhr30 gibt es Frühstück, danach bricht die Gruppe zu einer Akklimatisationstour auf den nächsten Hügel
auf. Ich dusche und rasiere mich uns sitze dann lange Zeit lesend in der Sonne; das Panorama hier ist einmalig. Am Nachmittag besorge ich eine zweite SIM-Card, die auch am Berg funktionieren soll und gehe nochmals ins Internet. Von meinem Studienkollegen Joki erfahre ich, dass ich einThema für die Bak-Arbeit bekommenhabe; noch dazu ein Interessantes. Ich bin leicht verkühlt. Morgen soll es dann ins Base Camp gehen und damit nochmals richtig zur Sache – endlich!

23.10.: Um sieben Uhr gibt´s Frühstück und kurz nach acht brechen wir auf. Wir gehen sehr langsam und machen lange Pausen; um 10Uhr45
sind wir dann aber schon alle in der Basecamp-Lodge. Den ganzen Tag herrscht tolles Wetter und wir haben ausgezeichnete Sicht auf die Ama Dablan und die umliegenden Gipfel. Auch die Lage der Lodge, die auf ca. 4500 m erst kürzlich errichtet wurde ist traumhaft. Wie die Nächte zuvor teile ich ein Zimmer mit Jussi, einem netten finnischen Bergsteiger. Leider habe ich einen ziemlich starken Husten, auch wenn ich mich sonst fit fühle. Wir erfahren, dass Camp 1 und 2 bereits voll belegt sind (der Berg ist sehr steil und exponiert und bieter nur sehr wenig Platz zum Aufbau von Zelten) und wir deshalb erst in frühestens einer Woche unseren Gipfelgang starten können.

24.10.: Um Acht gibt es Frühstück, danach soll die Puja stattfinden. Der Lama aus Pangpoche verspätet sich aber um drei Stunden und so beginnen wir erst nach Zwölf. Die Zeremonie dauert sehr lang und ist aufwendig gestaltet, vermutlich wegen des Unglücks im Jahr 2007, das drei Sherpas aus Pangpoche das Leben kostete. Am Nachmittag steht das Rope-Training am Programm; ich komme gut zurecht und es macht mir großen Spass. Leider habe ich noch immer den Khumbu-Cough.

25.10.: Da sich mein Husten bei der Kälte und trockenen Luft nicht verbessert hat beschließe ich, noch einen Rasttag einzulegen. Der Rest der Gruppe macht einen Akklimatisationstrip ins Yak-Camp. Am Abend fühle ich mich schon deutlich besser und ich hoffe, dass der morgige weitere Rasttag mir nochmals guttun wird.

26.10.: Am Morgen frühstücken wir im Freien: es ist ein strahlender Tag und windstill: Wie immer esse ich einen Apple-Pancake. Dann rasiere ich mich noch und am Nachmittag trainieren wir nochmals Seiltechnik. Am
Abend gibt es dann Lamb Shank. Ein genereller Ruhetag.

27.10.: Hier enden leider meine Aufzeichnungen in meinem
Tagebuch, da die Expedition für mich eine dramatische Wendung genommen hat. Mein Husten ist leider nicht besser geworden, ich habe mich  trotzdem gut gefühlt und bin mit der Gruppe am Morgen ins Yak-Camp aufgestiegen. Es ging mir gut und ich erreichte sehr rasch das Camp wo ich den Nachmittag lesend in der Sonne verbrachte. Am Abend fühlte mich dann plötzlich sehr schlecht; es gelingt mir am nächsten Tag zwar noch ins Base Camp abzusteigen aber mein Zustand verbessert sich auch auf niedrigerer Höhe nicht: Ich bekomme hohes Fieber und kaum noch Luft. Nach einer ärztlichen Konsultation, entscheide ich mich dazu, einen Rettungshubschrauber anzufordern.
Als der Hubschrauber am Vormittag endlich eintrifft bin ich so schwach, dass ich kaum ein paar Schritte gehen kann und bekomme kaum Luft. Dann geht alles sehr schnell: der Hubschrauber bringt mich in einer Stunde nach Kathmandu und vor dort ins Spital, wo man eine schwere doppelseitige Lungenentzündung diagnostiziert. Nach zwei Tagen fangen dann die Medikamente endlich zu wirken an und es geht mir wieder etwas besser.
Ich verbringe dann noch einige Tage stationär, bevor ich in ein Hotel
übersiedle und noch einige Tage zur Antibiotikatherapie ins Spital gebracht
werde. Auch ein paar kurze Ausflüge in die Stadt mache ich wieder. Am Samstag den 6.11. erlaubt mir dann der Arzt den Heimflug, den wir umgebucht haben und ich bin froh, als ich am nächsten Tag nach mehr als zwei Monaten in Tibet und Nepal wieder in Wien lande. Leider war sowohl unsere Expedition zum Cho Oyo als auch meine Ama Dablam Expedition nicht vom Glück verfolgt, dennoch muss ich von Glück reden, dass meine schwere Erkrankung nicht in einem der höheren Lager der Ama Dablam akut geworden ist und auch das Wetter einen Hubschrauberflug zuließ,
da sonst eine rasche Evakuierung nicht möglich gewesen wäre.

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© Lukas und Josef Hochmeister